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„Leidenschaft ist mein größtes Pfund“


By unti - Posted on 08 Februar 2012

„Leidenschaft ist mein größtes Pfund“

Berlin – Er gestikuliert, wirbelt mit den Armen, zieht die Stirn kraus, ist verbal ständig präsent. Mitunter wirkt es, als sei er mitten im Spiel, statt nur dabei. Daniel Untermann geht auf in seinem Element als Trainer. Seit seinem Karriereende als aktiver Spieler im letzten Sommer, steht der 32-jährige als Cheftrainer beim Polizei SV Berlin an der Seitenlinie des Herren- und Juniorenteams. Kim-Henrik Andersson sprach mit ihm über Vergangenheit, Aktuelles und Zukunft.

Als Handballfanatiker wirst Du sicher die Europameisterschaft verfolgt haben. Wie bewertest Du das Abschneiden der Deutschen?

Daniel Untermann: Platz sieben ist jenseits von Gut und Böse. Zu wenig für die Weltspitze auf alle Fälle. Auf den Außen und im Tor sind wir mit Spielern besetzt, die meines Erachtens die Kategorie „Weltklasse“ verdient haben, ebenso die Trainerposition. Wenn ich die Aussagen von einem Vlado Stenzel lese, dass Heuberger ein unerfahrener Trainer ist, muss ich mich fragen, ob man das dem Alter zuschreiben muss.

Was hättest Du anders gemacht an Stelle des Bundestrainers Martin Heuberger?

Die Frage nach Alternativen hätte ich mir sicher gestellt. Am Kreis haben wir meiner Meinung nach ein Überangebot. Theuerkauf hat eine überragende EM gespielt. Warum? Weil er endlich die Chance hatte, sich zu beweisen. Spieler brauchen Vertrauen. Ebenso wären ein Pekeler und ein Heinl ganz oben auf meiner Liste. Roggisch und Hens, so viele Verdienste sie auch um den deutschen Handball haben, sind fehl am Platz für einen Umbruch. Ansonsten wäre ich sicherlich auch derjenige, der jetzt radikal den Schnitt machen würde. Fäth, Sellin, Dissinger und Dresrüsse wären Kandidaten für die Zukunft.

Womit wir ja bei den Parallelen zum Polizei SV sind. Vor Deinem Amtsantritt als Cheftrainer hattest Du angekündigt, das Herrenteam umzubauen.

Man muss wissen, dass die 1. Herrenmannschaft des PSV in der Vergangenheit stets eine Fahrstuhlmannschaft war. Fast im Jahrestakt ging es hoch und runter. Dazu kam, dass einige Spieler des Alters wegen ausschieden. Ich habe mein Wunschteam zusammenstellen können, weil ich mit einem Konzept und der Aussicht auf erfolgreiche Jahre wuchern konnte. 14 Spieler sind zur Mannschaft gestoßen. Auch beim Juniorteam, wie die A-Jugend betitelt wird, gab es etliche Zugänge.

Was macht den Polizei SV so besonders, dass eine solche Vielzahl von Spielern ins grüne Trikot wechseln?

Ich denke, dass Leidenschaft mein größtes Pfund ist. Ich kann noch so gut sein, wenn ich nicht zu hundert Prozent brenne, kann ich keinen dazu bewegen, ein Projekt anzugehen.

Auf Deiner Homepage kann man lesen „Mit jeder Faser – in jeder Sekunde“.

Das ist genau das, was ich damit ausdrücken will. Ich bin zu jeder Tageszeit mit jeder Faser meines Körpers und meiner Seele bei meiner Arbeit mit den beiden Mannschaften. Nur so kann ich auch verlangen, dass sich die Spieler entsprechend einbringen. Ich verlange nichts, was ich nicht auch leiste. Mit Alibi-Engagement kann ich schwer umgehen.

Alibi-Engagement?

Vielleicht haben sich die Zeiten geändert, vielleicht bin ich auch einfach in der Beziehung konservativ. Aber ich bekomme schlechte Laune, wenn Spieler, die nach Außen ein klares Ziel vorgeben, ein Zeitmanagement an den Tag legen, welches sie in der freien Marktwirtschaft den Job kosten würde.

Was meinst Du damit genau?

Ich bin in meinem ganzen Handballerleben, welches ja nun schon 28 Jahre andauert, noch nie während eines Spiels, Trainingslagers und dergleichen, in den Urlaub gefahren. Für mich ein Ding der Unmöglichkeit. Nicht einmal der Umstand, dass der Spieler Urlaub macht oder ein Spiel verpasst, vielmehr das Herausstellen des eigenen Egos gegen die Belange eines sozialen Gefüges, in welchem ich Teil des Ganzen sein will. Da stimmt doch was nicht, wobei dieses Beispiel nur exemplarisch ist.

Das Team steht bei Dir also über allem?

Ich gebe täglich alles dafür, meinen Spielern sportlich, menschlich und materiell alles zur Verfügung stehende an die Hand zu geben, um erfolgreich zu sein. Ich habe seit Saisonbeginn zwei Tage gehabt, an denen ich bewusst alles ausgeschaltet habe. Ansonsten geht bei mir der Tag um sechs Uhr los und endet gegen zwei Uhr.

Ist das noch gesund?

Vier Stunden Schlaf sind sicherlich nicht ewig machbar. Aber ich muss meinen normalen Job und zwei Mannschaften, sowie deren Vermarktung und Organisation abdecken. Manchmal wünschte ich mir ein paar mehr Stunden mehr am Tag.

In puncto Vermarktung ist doch aber sicherlich nicht viel machbar bei einem Fünftligisten?

Man muss das alles in Relation setzen. Sicherlich fließen bei uns keine großen Gelder. Wichtig ist doch, dass ich mich jeden Tag neu erfinde. Gerade wenn ich Fünftligist bin. Wie will ich sonst wahrgenommen werden in einer Millionenstadt wie Berlin.

Und da habt Ihr Euch mit der Marke „PSV Wild Boys“ neu aufgestellt?

Das war eine von vielen Ideen, die sicherlich Gesprächsstoff gebracht hat und immer noch bringt. Im Endeffekt redet man darüber und somit ist ein erstes Ziel erreicht. Dann haben wir die Fotoaktion mit dem 1000-Euro-Gewinn gemacht und über viele Kleinpaten noch zusätzliche finanzielle Mittel akquiriert. Des Weiteren habe ich meinen Arbeitgeber dazu bewegen können uns zu unterstützen. Wir sind jung, dynamisch und immer an Weiterentwicklung interessiert, so wie 1000jobboersen.de eben auch. Damit gab es da hervorragende Parallelen.

Sportlich läuft es ja auch nicht unbedingt schlecht.

Die erste Herren ist nach einigen hausgemachten Unruhen wieder auf die Siegerstraße zurückgekehrt. Derzeit stehen wir mit zwei Punkten Rückstand auf einem leistungsgerechten zweiten Platz. Ob es bis an die Spitze reicht, wird davon abhängen ob jeder Spieler sich zu hundert Prozent einbringt.

Deine Junioren stehen ja kurz vor dem Saisonende und sind derzeit auf dem ersten Platz der Oberliga Ostsee-Spree.

Das ist richtig. Es steht nur noch ein Spieltag aus und wir haben aktuell den ersten Platz. Diesen haben wir allerdings etwas überraschend. Vor der Saison mussten wir uns zunächst für diese Liga qualifizieren, wollten dann den vierten Rang erreichen, um auch nächstes Jahr dabei zu sein. Und nun sind wir plötzlich Erster. Das ist schon ein bisschen verrückt.

Aber muss dann der Anspruch nicht „Meisterschaft“ lauten?

Jeder Sportler geht in einen Wettkampf, um ihn zu gewinnen. Mal gelingt es, mal nicht. Dass wir nicht der überragende Erstplatzierte sind, zu dem uns alle machen wollen, haben die Ergebnisse gegen Neubrandenburg und Rostock gezeigt. Gewinnen wir unseren letzten Vergleich, kann uns keiner mehr den ersten Platz strittig machen. Aber noch sind sechzig Minuten zu spielen. Es werden die letzten sechzig Minuten für meine 93er-Jahrgänge sein, leider.

Warum bedauerst Du das?

Dieser Jahrgang hat sich genau zu dem entwickelt, was ich mir an Tugend und Teamgeist vorgestellt habe. Es war ein dreijähriger Prozess und die Stimmung könnte nicht besser sein. Egal welchen der Spieler man fragt, jeder ist begeistert von der Atmosphäre. Aber ich habe damit ein Ziel erreicht, die Jungs sind oben angekommen. Sie kommen mit einer Begeisterung und werden diese auch im Erwachsenenbereich einbringen, so man sie lässt. Ich weiß eines aber sicher, da gibt es am letzten Spieltag mehr als eine Träne im Knopfloch.

Wer sind Deine wichtigsten Ratgeber und Unterstützer bei Deiner Arbeit?

An erster Stelle sicherlich mein Vater, nicht unmittelbar, aber mittelbar. Man wäre auch schön blöd, wenn man auf solche Expertise verzichtet. Und dann natürlich mein Team ums Team, allen voran meine beiden Co-Trainer Herbert Mühlenbruch und Sebastian Schadow. Sie sind jeweils des ruhende Pol in meinen beiden Mannschaften.

Was wünscht Du Dir für den Rest der Saison und darüber hinaus?

Ich wünsche mir neben sportlichem Erfolg vor allem, dass alle meine Spieler gesund bleiben. Über die kommende Saison mache ich mir sicherlich auch schon Gedanken und bin hier mit Verstärkungen in Gesprächen. Wer Leistung und Freude vereinen will, ist bei uns sehr gut aufgehoben. Und ich wünsche mir mehr Manpower in der Organisation, vielleicht reicht es dann bei mir auch mal zu fünf Stunden Schlaf.

Viel Erfolg wünschen wir Dir dabei!
(kha)

Quelle: Kim-Henrik Andersson/sz

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Netter Artikel, wo ist der den erschienen? in der Süddeutschen ist der Artikel nicht.

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