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Eine Legende wäre heute 35


By ultra - Posted on 02 Oktober 2014

Eine Legende wäre heute 35

Pünktlich zu seinem 35. Geburtstag (02.10.1979) möchten wir an eine PSVer Legende - Oliver Myliß - erinnern, der leider viel zu früh, im Alter von 23 Jahren im Jahr 2002 von uns gegangen ist.
Im Alltag werden heute immernoch viele seiner Aktionen bzw. Sätze zitiert, was ihn stets zum Begleiter unseres Lebens erhalten lässt. Im Jahr 2015 werden wir wieder den "Oliver Myliß-Cup" ausspielen, zudem wir rechtzeitig einladen werden.
Anbei nochmal der wirklich sehr lesenswerte Nachruf aus dem "Tagesspiegel", den wir Euch unbedingt ans Herz legen möchten...

Alles Gute zum Geburtstag Olli!

Fürs Leben brauchte er ein Warum. Und für den Tod?

Das ist doch ein Datum, sagt Olli zu seiner Freundin, 2009. Da wollen wir uns ein Häuschen kaufen und heiraten, vielleicht auch ein Kind. Im Jahr 2009 will Olli erwachsen sein. Noch sieben lange Zukunftsjahre sind das, als er im Juli 2002 mit dem Zivildienst im Altersheim fertig ist. Als er bis mittags um zwölf schläft und noch im Morgengrauen in der Kneipe sitzt, um mit den Kumpels aus dem Verein zu reden, zu diskutieren, nachzudenken. „Wie geht’s denn nun weiter?“, fragt ihn sein Vater. Olli weiß keine Antwort darauf.

Klar, das mit der Schule ist nicht optimal gelaufen.

Erst zwei Ehrenrunden, dann das Abitur geschmissen. Ab der Neunten hat er keinen Sinn mehr drin gesehen. Er ist nun mal so ein Typ: ganz oder gar nicht. Als Zivi im Altersheim, das hat ihm Spaß gemacht. Da wurde er gebraucht. Aber so was das ganze Leben lang? Er will gut nachdenken, bevor er einen Schritt macht.

Nicht, dass ihn alles kalt ließe. Es gibt da etwas. Seit seinem achten Lebensjahr spielt er Handball. Obwohl damals die Entscheidung für den Sport eher zufällig fiel. Es stand auch Singen im Chor zur Auswahl, doch die Mutter gab zu Bedenken: Nach dem Stimmbruch wird das schwierig. Also lernte Olli in der E-Jugend Dribbeln, Sprungwürfe und Tempogegenstöße, fuhr am Wochenende zu Auswärtsspielen. Und mit den Jahren wurde der Polizeisportverein seine zweite Familie und die Halle zum größeren Wohnzimmer.

Nirgendwo ist Erfolg so leicht zu sehen wie beim Sport. Medaillen, Pokale, Listenplätze. Man weiß immer, in welcher Liga man gerade spielt. Und dann ist da noch die Kameradschaft, wieder das Gefühl, gebraucht zu werden. Das kann süchtig machen. Selber spielen ist gar nicht so wichtig. Den richtigen Kick kriegt Olli 1998, als er seine erste Mannschaft trainiert, eine E-Jugend. Ein Haufen „Zwerge“ – wie er damals, und sie schauen zu ihm auf. Ein paar Spielzeiten später ist er bereits der Coach von drei Mannschaften: diesmal große Jungs. Die werfen nicht nur ein bisschen den Ball hin und her. Die spielen in der Oberliga, kommen ins Halbfinale der Deutschen Meisterschaft. Olli hängt sich rein, guckt sich vom Haupttrainer ab, so viel er kann, verschafft sich Respekt, wenn er in der Kabine mit lauter Stimme mehr Einsatz fordert. Er gehört zum harten Kern des Vereins. In der Woche Training und Freitag, Samstag, Sonntag: Spiel, manchmal vor mehreren hundert Leuten. So sieht sein Leben aus. So fließt die Zeit dahin. Für einen Job ist eigentlich kein Platz, doch von den 75 Euro Aufwandsentschädigung kann man nicht leben.

Er ist gerade erst mit seiner Freundin zusammengezogen. Sie wohnen auf Kisten, aber haben die Wände terrakottarot und den Stuck minzgrün gestrichen. Ein kleiner Schritt in Richtung eigenes Leben, in Richtung 2009. Davor kommt ja noch das Jahr 2005. Da wird vielleicht ein Job frei, im Verein: als Physiotherapeut. Das wär’s doch, das könnte Olli sich vorstellen. Dafür will er sogar kürzer treten, nur noch eine Mannschaft trainieren. Eine Ausbildung beginnen. Die Schule soll im März losgehen, und auch sein Vater ist einverstanden. Endlich ist da ein Plan, etwas Sinnvolles. Ein Warum für den Ehrgeiz außerhalb der Sporthalle.

Eigentlich ist er voller Pläne. Er will später ein Buch schreiben. Zwei Plastikordner mit Gedichten stehen schon im Regal. Und er will das Abitur nachmachen. Es ärgert ihn, dass gewisse Leute denken, er habe nichts drauf, wegen dieser blöden Schulsache damals. Er will es ihnen beweisen und sich auch. Er hat ja noch viel Zeit bis 2009.

Olli ist nie krank, aus Prinzip nicht. Er ist fit, er meidet die Ärzte. Vielleicht fehlt ihm ein Warnsystem. Nach einem kleinen Fußballspiel fühlt er sich schlapp, hat Mühe, Luft zu holen. Lungenentzündung, sagt der Arzt, und schickt ihn ins Bett. Eine Woche später stirbt Olli an einer Embolie, verursacht von unerkannten Klumpen in seinem Blut. Doch was für die Klumpen die Ursache war, weiß kein Mensch. Bis heute nicht. Auf die Frage, warum er sterben musste, hätte niemand Olli eine Antwort geben können.

Quelle: http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/unternehmen/geb-1979/406096.html

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