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A-Jugend-Bundesliga vor dem Start - Ärger um Qualifikation


By unti - Posted on 18 März 2011

A-Jugend-Bundesliga vor dem Start - Ärger um Qualifikation

In der kommenden Saison soll sie kommen, die Bundesliga für männliche A-Jugenden. Die starken Teams soll sie fordern, eine bessere Möglichkeit für die Aus- und Weiterbildung der ältesten Jugendspieler sein. Eine wirkliche "Bundesliga" wird die neue Klasse allerdings nicht, insgesamt vier regionale Staffeln sollen gebildet werden, wozu gerade die Qualifikationen anlaufen – die bereits für Unruhe sorgen.

Vier Staffel mit jeweils zwölf Teams sollen ab der kommenden Spielzeit deutschlandweit antreten, damit ist die neu eingeführte Bundesliga im Grunde nicht anderes als die Fortführung der teilweise bereits existierenden Regionalligen im Jugendbereich. Im Südwesten gab es diese für die A- und B-Jugend, im Nordosten bis auf die weibliche B-Jugend ebenfalls und auch im Westen waren in der A-Jugend männliche und weibliche Teams in der Regionalliga gefordert. Die neue bundesweite Runde soll nun im September 2011 beginnen und im April des Folgejahres enden - es schließen sich die Deutschen Meisterschaften an. Im Modus Viertelfinale, Halbfinale, Finale mit jeweils Hin-und Rückspiel wird der Titelträger der männlichen A-Jugend gesucht.

Nicht mit dabei wird allerdings der weibliche Bereich sein, dessen Vereine offenbar vor den hohen Kosten und dem hohen Aufwand zurückgeschreckt sind. Zudem ist bei den weiblichen Nachwuchsspielerinnen die Tendenz, statt in der A-Jugend bereits im Erwachsenenbereich zu spielen, weitaus stärker ausgeprägt. Was dort zu einer Verkürzung der Ausbildungszeit in der Jugend führt, ist gleichzeitig für viele Vereine notwendiges Übel, um die Erwachsenenmannschaften spielfähig zu bekommen.

Neben Anforderungen wie der Beschäftigung eines Trainers, der mindestens über eine B-Lizenzausbildung verfügt oder des Stellens einer Bürgschaft – die allerdings von Verband zu Verband unterschiedlich ist - war vor allem die Zusammensetzung der Staffeln ein Politikum. "Anhand der Mannschaftszahlen der A-und B-Jugend (männl.) wird die Anzahl der Mannschaften der Regionalverbände für die proportionale Verteilung berechnet", teilte der DHB in einem Infoanschreiben im Herbst 2010 mit. Prozentual zum Anteil der A- und B-Jugend Mannschaften des jeweiligen Regionalverbands werden die Kontingente ermittelt. Basis sind Mannschaftszahlen, die als Grundlage für das Stimmrecht zum Bundestag genommen werden. "Diese im Jahr des Bundestages ermittelten Kontingente haben für die darauf folgenden drei Spielserien Gültigkeit", so der DHB in seinem Schreiben

Insgesamt sollen so 44 der 48 Teilnehmer gefunden werden, derzeit heißt dies: elf Mannschaften aus dem Bereich des Süddeutschen Handballverbandes, acht aus dem Südwesten, zehn aus dem Westen, acht aus dem Norden und sieben aus dem Nordosten. Zudem sollen die Teilnehmer an den deutschen Jugendmeisterschaften berücksichtigt werden, um den dort aktiven Spielern die Mühen einer gleichzeitigen Qualifikation zu ersparen.

Wie sich die Teilnehmer qualifizieren können, das regeln die Regionalverbände – die allerdings derzeit meist in Auflösung sind – und die Landesverbände. Was ganz unterschiedliche Qualifikationsmodi ergab: Im Südwesten spielen so die Pfalz (mit der TSG Friesenheim u.a.), das Rheinland (mit dem TV Mülheim u.a.), das Saarland (nur HSG Völklingen), Thüringen (nur ThSV Eisenach) und Rheinhessen (nur Rhein-Nahe Bingen) in ihren jeweiligen Landesverbänden erst mal eine interne Qualifikation, sofern der jeweilige Landesverband mehr als einen Kandidaten hat. Die fünf Vertreter des jeweiligen Landesverbandes spielen dann die vier Bundesliga-Plätze aus. Es kann also von diesen Landesverbänden jeweils höchstens nur ein Team die A-Jugend-Bundesliga erreichen. Im Vergleich dazu spielen die mitgliederstarken Hessen mit zehn Teilnehmer vier Startplätze aus.

Auch die Termine – oftmals parallel zu anderen Events wie dem Viertelfinale der deutschen Meisterschaft, belasten die betroffenen Spieler – oder sorgen für unterschiedliche Prioritäten bei den beteiligten Vereinen. Anders im Nordosten – dort erhalten die drei ersten der ablaufenden Regionalligasaison ein Ticket für die Bundesliga.

Mehr noch: Die Vereine der Handball Bundesliga (HBL) erhalten vier "Wildcards", können also Mannschaften jenseits der Qualifikation nachmelden. Dieser Vorgang sorgte bereits für einige Unruhe, vor allem, dass die HBL am 14.02.2011 dafür gesorgt hat, den Termin für die Meldung der "Wildcards" auf einen Zeitpunkt nach der Qualifikation zu verschieben. "Nach mehreren Gesprächen mit der Toyota-HBL wurde vereinbart, dass die Meldung für die „Wildcards“ erst kurz vor der Staffeleinteilung im Juni 2011 erfolgt", teilte Georg Clarke, Vizepräsident Jugend im DHB mit, "wir bitten daher die Regionalverbände, bei den Qualifikationsrunden für die Deutsche A-Jugend Bundesliga darauf zu achten, dass neben dem bereits feststehenden Kontingent an Startplätzen des Regionalverbandes noch weitere Startplätze für eventuelle Nachrücker vorgesehen werden."

Eine Mitteilung, die zu einigem Verdruss an der Basis führte: "Auf sportlichem Wege hat es ein protegierter Club nicht geschafft, also muss er per Wildcard durchgepeitscht werden. Zu Lasten eines Vereins, der sich sportlich qualifiziert hat. Welchen anderen Grund sollte es haben, dass die Verantwortlichen in der HBL ihre vier Wildcard-Mannschaften nicht vor der Quali benennen?", fragt ein erboster Trainer, der sich mit seinem Team gerade auf dem Weg in die Qualifikation befindet. "Und wieso gehen die Wildcard-Plätze nicht zu Lasten des Kontingents des entsprechenden Verbandes, in dem der Wildcard-Club beheimatet ist?", ärgert sich ein Kollege.

Der späte Meldetermin der HBL sorgte auch in den Verbänden für Unmut. "Wir müssen also unsere Auslosung und Durchführungsbestimmungen neu überdenken und entsprechend anpassen", so Uwe Wieloch, Vizepräsident Jugend im hessischen Handball-Verband, in einem Rundschreiben an die hessischen Qualifikanten. "Ich bitte um Verständnis für diese Situation, die nicht auf unserem Mist gewachsen ist", schließt Wieloch. Der Ärger ist groß, das Mißtrauen ebenfalls. Man wolle mittelfristig eine HBL-Jugendliga schaffen, mutmaßt ein Trainer, ohne die als störendes Beiwerk angesehenen „kleinen“ Vereine, die sich teils unerwünscht fühlen und fürchten ihre Talente zu verlieren.

Die neue Klasse wird – und soll – zu einer weiteren Konzentration im Nachwuchsbereich führen. "Da die Qualifikation im Juni bereits in den Jahrgängen der kommenden Saison gespielt wird, beginnen wir sofort nach dem letzten Spieltag der Regionalliga Süd-West mit der intensiven Vorbereitung in den neuen Trainingsgruppen. Natürlich sind wir zur Verstärkung der Mannschaft aktiv auf der Suche nach möglichen neuen Leistungsträgern. Außerdem können sich gerne gute und interessierte Spieler melden, die in ihrem Heimatverein die Bundesligaqualifikation nicht spielen können. Wir sind dazu mit mehreren jungen Sportlern im Gespräch", sagte beispielsweise Christian Roch, Jugendkoordinator des Zweitligisten ThSV Eisenach. Beim Bergischen HC sind gerade acht Neuzugänge für die A-Jugend bekannt gegeben worden.

Der Wille, die Reform durchzuziehen ist gleichwohl groß, das Thema Nachwuchsförderung derzeit in aller Munde. Ob die vierstaffelige „Bundesliga“ allerdings tatsächlich eine deutliches Mehr an Qualität ergibt, bleibt abzuwarten. In jedem Fall steht zu erwarten, dass die darunter befindlichen Oberligen einen deutlichen Qualitätsverlust erleiden werden, die Schere zwischen Leistungsorientierung und Anschlusskadern größer werden wird. Andererseits sind eklatant hohe Ergebnisse, wie sie viele starke Jugendmannschaften in ihren heterogenen Staffeln erreichen, ebenfalls wenig dazu geeignet, Spieler zu fordern und zu fördern. Eines wird allerdings die A-Jugend-Bundesliga in keinem Fall schaffen können: Das viel zitierte Loch in der deutschen Anschlussförderung zu schließen, denn dieses entsteht größtenteils erst nach der A-Jugend, im Junioren- und damit Erwachsenenbereich.

Ein weiterer Effekt ist der Wegfall der bestehenden Regionalligen in der B-Jugend. Die Regionalverbände, die nach der Ligareform derzeit weitgehend in Auflösung befindlich sind, fallen als Organisatoren für eine Landesverband-übergreifende Regionalliga weg, somit gibt es zukünftig eine Bundesliga, in der nicht viel mehr Klubs aktiv sind als vorher in den Regionalligen, aber in der B-Jugend nur noch Oberligen. Und: Der weibliche Bereich fällt fortan an erst einmal aus diesem Konzept komplett heraus. Vereine wie der Thüringer HC, die bereits jetzt nur in der Regionalliga Südwest Konkurrenz fanden, müssen nun andere Lösungen suchen, da hier der Spielbetrieb nur noch auf Landesverbandsebene abgewickelt werden wird.

Quelle: www.handball-world.com

Anmerkung:
Das Juniorteam des Polizei SV wird in der internen Qualifikationsrunde des HV Berlin um die Bundesliga-Quali antreten. Dort muss der zweite Platz erreicht werden, um sich mit der nationalen Elite messen zu dürfen.

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