Viking-Reifen – Sportlich. Stark. Sicher

Saisonfazit von Coach Daniel "Unti" Untermann


By ultra - Posted on 24 Mai 2010

Unti.jpg

Von Vizemeistern in Bronze & Funktionären, die funktionieren

Ein Saisonrückblick der besonderen Art

Mit etwas Abstand betrachtet, treibt einem die Saison 2009/2010 mit Sicherheit ein Lächeln ins Gesicht. Die Frage ist, ob es ein Lächeln aus Mitleid oder eines aus gezwungenem Anlass ist, vielleicht aber auch eines, welches man ob der Weiterentwicklung ins Gesicht gezaubert bekommt.

Die männliche A-Jugend des Polizei Sport Vereins war nun 15 Jahre im Oberhaus des Jugendhandballs vertreten. Einige der diesjährig eingesetzten Spieler erblickten also gerade einmal so das Licht der Welt, als die Farben des PSV durch Nord-Ost-Deutschland getragen wurden. Nun also ist der Abstieg besiegelt. Abstieg? Nein, Abstieg ist einer, der nach der Absolvierung aller seiner sportlichen Vergleiche und nach dem letzten Spieltag auf einem Abstiegsplatz steht. Die Saison begann gleich mit einigen Paukenschlägen. Nachdem man sich gerade noch einmal für die Regionalliga qualifiziert hatte, verließen etliche Spieler besten Formates das Team und schlossen sich anderen Vereinen an. Somit war die Mannschaft auf ein Minimum reduziert und früh klar, dass die B-Jugend in die Bresche springen musste.
Als dann auch noch erst Co-Trainer Christian Krause und dann Trainer Marko Schiller ihren Zusagen für eine gemeinsame Saison aus privaten und sportlichen Gründen nicht nachkommen konnten, übernahm Daniel Untermann also das, was übrig war, wohlwissend, dass es am Ende nicht in der Aufstiegsrunde mit dem PSV zugehen wird.
Bis ein wenig Spielkultur verinnerlicht wurde, die Jungs zum Kämpfen animiert werden konnten, war schon einige Zeit vergangen. Es gab einiges an Klatschen, dadurch entstandene Meinungsverschiedenheiten, aber auch ganz tolle Momente. Zu denen zählten der Pokalsieg gegen den AC Berlin, der einzige Ligasieg gegen Schwerin, aber vor allem das Spiel in Rostock. Dort reisten nur sieben Mann aus der Hauptstadt plus Trainer an, kämpften dermaßen aufopferungsvoll und das, obwohl sie gerade wenige zuvor von Mitspielern im Stich gelassen wurden. An jenem Sonntag war es, als ich im Zug darüber nachdachte, alles sein zu lassen und sofort aufzuhören. Aber diese Jungs haben mir wieder gezegt, wofür ich eigentlich angetreten war…für die Weiterentwicklung auf sportlicher, aber auch menschlicher Ebene. Dass wir zu 2/3 aus B-Jugendlichen bestanden, sorgte für den Umstand, dass man das Pokalendspiel der B-Jugend zeitgleich mit dem Ligaspiel in Kronshagen haben sollte. Da den B-Jugend-Spielern nicht zuzumuten war, ihr eigenes Spiel abzusagen, immerhin ein Landespokalfinale, wurde Kronshagen zwei Wochen im Voraus informiert, dass der PSV kampflos das Spiel abgibt, da keine vollständige Mannschaft mehr hätte spielen können.
Der Vizepräsident Jugend des Nordostdeutschen Handballverbandes, Alwin Niensteen, strich daraufhin den Polizei SV aus der Liga. Die Frage nach dem „Warum“ quittierte der Fachmann mit dem Satz: „Fragt doch jemanden, den es interessiert, zum Beispiel den Papst.“
So machte man einem Team, welches den Anstand hatte, zu jedem Spiel anzutreten, obwohl hohe Klatschen vorprogrammiert waren, den Garaus. Teams, welche ebenso Spiele (teilweise 24 Stunden vorher) abgesagt hatten, spielten im Übrigen die Saison zu Ende…
Das Team der männlichen A-Jugend verabschiedet sich nun also aus der Regionalliga und wird im kommenden Jahr sich in Ruhe auf die Rückkehr dorthin vorbereiten. In der Oberliga Berlin wird das Team antreten, um dort die Landesmeisterkrone zu ergattern.
Mit einem Sieg gegen den Bundesliganachwuchs aus Schwerin verabschiedeten sich mit Arian Bittrich, Leo Wilms und Kapitän Johann Finck nur drei Spieler in den Aktivenbereich. Vor allem die Führungsqualitäten eines Johann Finck und den wahnsinnigen Teamgeist eines Arian Bittrich werden Mannschaft und Trainer vermissen.
Der Rest des Teams bleibt zusammen und wird die Erfahrung der Regionalliga als großes Pfund in die Arena werfen können. Auch auf der Kommandobrücke wird es beständig weitergehen. Cheftrainer Daniel Untermann entschied sich nach vorheriger Absage nun doch für ein weiteres Jahr im PSV-Dress und sein Passman Herbert Mühlenbruch schlug sofort mit ein. Verstärkung erhalten beide von Ruppert Weyer, der über eine Hospitanz den Weg zum PSV gefunden hat.

B-Jugend wird Doppel-Vize

Die wohl ungewöhnlichste Silbermedaille hat sich die männliche B-Jugend des Polizei Sport Vereins in dieser Saison gesichert.
Ebenso durch den Trainerwechsel gehandicapt, kam schnell Grund ins Team und die Marschrichtung wurde vorgegeben. Man wollte kein Spiel mehr abgeben und sich bis zum letzten Spieltag außer gegen die Füchse, die eine zweifelhafte Übermacht darstellen, schadlos halten.
Durch die vielen Einsätze und Spielminuten in der A-Jugend holten sich die Untermann-Schützlinge die nötige Härte und Abgeklärtheit, welche zum Vorteil in der Oberliga Berlin umgesetzt werden konnte.
Es war klar, dass man sich von Sieg zu Sieg hangeln und der Kampf um Platz zwei mit VfL Lichtenrade in die finale Phase fallen würde. Und so kam es auch. In einer proppenvollen Lilli-Henoch-Halle machte man dem VfL Lichtenrade klar, wer Vizemeister ist. In überzeugender Manier gewann man das vorletzte Saisonspiel. Auch im letzten ließ man nichts mehr anbrennen….man war VIZEMEISTER 2010.
Denn jetzt erst fängt die Geschichte an interessant zu werden. Ich bin gespannt, wer vom Handballverband Berlin den oft zitierten „Arsch in der Hose“ hat, den Jugendlichen Rechenschaft über die Vorkommnisse der letzten Wochen abzulegen, in welchen junge Sportler um den Lohn ihrer Arbeit gebracht wurden.

Es glich einer Inszenierung eines großen Melodrams, Dramas, Daily-Soap und nicht zu guter Letzt einer wahnsinnigen Komödie der schwarzen Art…aus Gründen der schnelleren Aufarbeitung der Geschehnisse hier in sortierter Reihenfolge:
• Punktspiel VfL Lichtenrade – Polizei SV Berlin 21:20
• Punktspiel Polizei SV Berlin – VfL Lichtenrade 26:20
• Beide Teams verloren ihre Spiele gegeneinander, sowie gegen die Füchse Berlin
• Beide Teams kamen auf 22:6 Punkte
• Torverhältnis konnte nicht gezählt werden, da der BFC Preussen nicht zum Spiel gegen den Polizei SV Berlin antrat.
• Jugendspielausschuß-Vorsitzender Eberhard Altmann betritt die Lilli-Henoch-Halle am 21. März 2010, um den VfL Lichtenrade zum Vizemeister zu küren. Einen Strich durch diese Rechnung machen ihm die PSVer, welche bekanntlich siegten.
• Altmann verabschiedet sich am 21.03.2010 mit der Ankündigung, den PSV eine Woche später in der Geisbergstr. In Berlin-Schöneberg zum Vizemeister zu krönen, sollte man das Spiel dort gewinnen.
• Am 28.03.gewinnt der PSV knapp, aber verdient gegen die SG OSF das Spiel und damit die Vizemeisterschaft.
• Alle sind zur Ehrung angetreten…nur ein Eberhard Altmann ist nirgendwo zu sehen.
• Am Ostersonntag wird der PSV Berlin darüber in Kenntnis gesetzt, dass durch Hinweis vom hauptamtlichen HVB-Geschäftsstellenmitarbeiter Thomas Marunde an den VfL Lichtenrade, im übrigen sein Heimatverein, ein Antrag auf Austragung eines Entscheidungsspiels beantragt und vom HVB-Jugendausschuß !!!einstimmig!!! positiv beschieden wurde.
• HVB-Vizepräsidentin Jugend Birgit Refle gibt telefonisch zu Protokoll, dass ein Bescheid des JA lediglich per !!!kostenpflichtigem!!! Einspruch anzufechten wäre, selbst wenn man sich dort „geirrt“ hätte.
• Eberhard Altmann gibt zu Protokoll, nichts mit der Entscheidung zu tun zu haben. (bei einem einstimmigen Beschluß???)
• HVB Vizepräsident Recht gibt den Mitgliedern seines Verbandes keine Rechtsauskunft, lässt er in einer anonym versendeten Mail erklären.
• Der PSV Berlin legt Einspruch ein.
• Das HVB Verbandssportgericht streicht das Entscheidungsspiel.
• Das HVB Verbandssportgericht setzt den VfL Lichtenrade als Vizemeister fest, !!!aufgrund des besseren Torverhältnisses!!! (zur Erinnerung: PSV gewinnt kampflos mit 0:0 Toren!!! Zufällig gegen den Verein, der ebenso wie Lichtenrade von Stefan K. infiltriert ist und kommende Saison SG-Partner des VFL. Ein Thor, wer da jetzt Böses denkt)
• Der HVB Jugendausschuss setzt sich über die Entscheidung hinweg und düpiert damit die eigene Gerichtsbarkeit, zwingt den sportlichen und den ernannten Vizemeister zum „Entscheidungsspiel“, um eine „sportliche Lösung“ zu haben.
• Der PSV verliert vier Wochen nach Gewinn der Vizemeisterschaft das willkürlich angesetzte Spiel.
• Die Spieler des PSV feiern sich bei der Verleihung der Bronzemedaille zu Recht als Vizemeister.
• Eberhard Altmann als einziger Offizieller lässt die Spieler wissen, „sie sollen den Mund halten und froh sein, dass man sie habe spielen lassen“
• PSV Trainer Daniel Untermann schickt seine Medaille incl. eines Briefes an den Präsidenten des HVB – Henning Opitz …bis heute steht eine Antwort aus.
• Krönung des Ganzen: Am Abend des 06.05. fragt der NOHV an, ob man nicht doch beim NOHV-Pokalfinale der Vizemeister spielen wollen würde, man bekäme die Teilnehmer nicht zusammen. Selbstverständlich helfen die Spieler der männlichen B-Jugend, welche als A-Jugend gestrichen, als B-Jugend um ihre Meriten gebracht wurden, da weiter…indem sie nicht zusagen. Alles weitere würde so viel Arbeit machen bei der schriftlichen Ernennung von Siegern und Verlierern.
Fazit
Es war bis auf die letzten Wochen eine wirklich sehr schöne Saison, die ich als Trainer auch nicht missen möchte. Wenn es allerdings Funktionäre schaffen, mich zu Gedanken zu bewegen, nie wieder Jugendliche im Landesverband Berlin zu trainieren, dann sollte man doch nachdenken warum. Wahrscheinlich würden bei der Entscheidung Leute in die Hände klatschen, die sich nur über Neid und Missgunst definieren und im eigenen Leben wenig zu berichten haben.
Die Frage die ich mir stelle ist eben die, ob es sich noch lohnt, Jugendliche – im Fall PSV sogar sehr viele ausländische Jungen, die z.T. aus Kriegsländern immigriert sind – von der Tugend und den Werten im Sport zu lehren. Bei allem sportlichen Erfolg geht es doch darum, egal in welcher Leistungsstufe, den Fast-Erwachsenen zu zeigen, dass es sich lohnt ehrlich und sauber in einer Gemeinschaft um etwas zu kämpfen.
Der Präsident des Handballverbandes ist darüber entsetzt, dass Unmut in den Hallen herrscht, so dass man Plakate aufhängen muss, um daran zu erinnern, dass man fair bleiben solle den Unparteiischen gegenüber. Hängen in deren Kabinen eigentlich auch Transparente?!
Noch viel schlimmer aber findet man den Umstand, dass nur so wenige Karten für das Bundesliga-Allstar-Game verkauft wurden in den Vereinen. Lieber Henning, wundert Dich das wirklich?!
„Lieber Jugendliche, kaufe doch bitte eine Karte von dem Verband, in welchem Du gerade um deine regeltechnische und sportliche Medaille gebracht worden bist und sich die Ausschüsse über Rechtsbarkeiten hinwegsetzen.“ Also selbst mir als Tele-Sales-Profi würden da wenige Dinge einfallen, die ich positiv anbringen könnte.
Den Verantwortlichen dieser beiden Highlights in meinem mittlerweile 26-jährigen Handballerleben möchte ich ausdrücklich danken. Danken für etwas, was mir wahrscheinlich nie wieder widerfahren wird. Hätte ich nicht mein Wort für eine weitere Saison als A-Jugendtrainer gegeben, wäre mein Entschluss, nicht mehr im HVB zu arbeiten mit Sicherheit auch durchgezogen worden.
Meinen beiden Teams danke ich für die tolle Zusammenarbeit, den Verantwortlichen beim PSV für das Vertrauen, meinen beiden Mitstreitern Herbert und Ruppert, den Eltern, welche unsere treusten Fans waren und vor allem aber bei meinem „kleinen“ Bruder Christian, der dafür verantwortlich ist, dass ich beim PSV gelandet bin.
Während Heinz Erhardt noch Gedicht hatte…ich habe nun noch ne Saison…schauen wir mal, was diese für Highlights bieten wird.

Euer Unti

Tags

Mitglied im

Deutscher Handball Bund

Handball Verband Berlin

Freiwilliges Soziales Jahr